Narzissmus


Das Altern ist ein fortschreitender, bisher nicht umkehrbarer biologischer Prozess der meisten mehrzelligen Organismen, der graduell zum Verlust der normalen Organfunktionen führt und mit .

Die Fragestellung ist, wie kann das biologische Alter gemessen, beziehungsweise das Fortschreiten Progression des Alterns, eines Individuums bestimmt werden? Jung-Schüler Erich Neumann nahm für die analytische Psychologie am freudschen Begriff des primären Narzissmus erhebliche Korrekturen vor. Ein Leidensdruck entstehe für Narzissten typischerweise erst in der zweiten Lebenshälfte:

Inhaltsverzeichnis

Das Altern ist ein fortschreitender, bisher nicht umkehrbarer biologischer Prozess der meisten mehrzelligen Organismen, der graduell zum Verlust der normalen Organfunktionen führt und mit .

Die mit dem Altern einhergehende verringerte Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit des Organismus führt zu einer erhöhten Störungsanfälligkeit. Chronische Erkrankungen nehmen zu, treten häufig gemeinsam auf Multimorbidität und erhöhen die Sterblichkeit. Altern ist derzeit zumeist keine primäre Todesursache: Durch das Altern bedingte zelluläre und daraus folgende organische Veränderungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an einer Alterskrankheit oder an einer in jungen Jahren eher unkritischen Krankheit zu sterben.

Physiologisch betrachtet ist das Altern durch einen langsamen und progressiven Verlust verschiedener Körperfunktionen gekennzeichnet, von dem alle Organsysteme betroffen sind. Als wichtigste neurologische Veränderung ist eine nachlassende Gedächtnisfunktion feststellbar.

Das Hormonsystem produziert weniger Hormone. Der Verdauungstrakt reduziert die Sekretion von Verdauungsenzymen und die Verwertung von Nährstoffen lässt — wie auch die Peristaltik des Darmes — nach. Die nachfolgende Tabelle gibt eine Übersicht über die wichtigsten altersbedingten Veränderungen.

Die Ursache hierfür sind im Wesentlichen verbesserte Hygienebedingungen , Reduzierung der Sterblichkeitsrate von Neugeborenen und effektivere Therapien und Prophylaxen einer Vielzahl von akuten Krankheiten.

Der Gerontologe Leonard Hayflick geht davon aus, dass dieser Wert in den letzten Als programmiertes Altern bezeichnet man die genetisch gesteuerte Biomorphose auch Ontogenese und Differenzierung.

Für diese beiden Vorgänge ist die genetische Steuerung unstrittig. Weitgehender Konsens herrscht darüber, dass innerhalb einer Spezies das Altern und die Lebenserwartung von bestimmten Genen beeinflusst wird. Lebensjahr die Sterbewahrscheinlichkeit Mortalitätsrate exponentiell an.

Für noch ältere Altersgruppen flacht sie wieder ab. Der Anstieg der Sterblichkeit verlangsamt sich engl. Der Einfluss der Erbanlagen auf die Langlebigkeit ist beim Menschen und einer Vielzahl von Modellorganismen eindeutig belegt. Entsprechend erreichen Kinder mit hochbetagten Eltern durchschnittlich ein höheres Lebensalter als Menschen, deren Eltern früher gestorben sind.

Ein solches nachteiliges Gen wäre nach einer Mutation , die es funktionslos machen würde, durch die Evolution längst ausselektiert worden — wenn es nicht für die gesamte Spezies einen Vorteil bietet. Es gibt zumindest beim Menschen keine Gene für das Altern. Das Altern wird durch ein kontinuierliches Ansammeln von somatischen Schäden hervorgerufen, die eine Folge einer begrenzten Investition des Körpers in seine Wartung und Reparatur sind.

Reparaturmechanismen, wie beispielsweise DNA-Reparatur und die Bekämpfung von oxidativem Stress , werden von Genen kontrolliert, die dadurch Einfluss auf die Langlebigkeit und das Altern des Organismus haben.

Es gibt möglicherweise auch Anpassungen an die Folgen des Alterns: In natürlichen Lebensräumen ist die Sterblichkeit von Organismen — mit Ausnahme des Menschen — vor allem auf externe Ursachen Katastrophentod zurückzuführen.

Altern ist eine Begleiterscheinung, die in freier Wildbahn kaum auftritt, da die meisten Organismen schon vorher sterben. Das Altern ist weniger auf deterministische zukünftige Ereignisse sind durch Vorbedingungen festgelegt als auf stochastische Prozesse zeitlich geordnete, zufällige Vorgänge zurückzuführen.

Bei einigen semelparen Organismen gibt es eine Form von programmiertem Tod Fortpflanzungstod. Am bekanntesten ist dabei der Lebenszyklus der Pazifischen Lachse Oncorhynchus , die während ihrer Laichwanderung kaum noch oder gar keine Nahrung aufnehmen. Der Körper unterliegt erheblichen hormonellen Veränderungen und die Tiere verenden kurz nach ihrer Fortpflanzung in den Laichgewässern. Ähnliche Verhaltensweisen sind von Kraken Octopoda bekannt.

Es kontrolliert die Lebensspanne eines Individuums — von der Fliege bis hin zum Menschen. Das Phänomen Altern hat einen genetischen Hintergrund. Beide Arten haben in ihrer Stammesgeschichte einen gemeinsamen Vorfahren. Im Labor lässt sich in Modellorganismen — wie beispielsweise C.

In der freien Natur können spontane Mutationen Gene betreffen, die einen unmittelbaren Einfluss auf das Altern haben. Dies kann sowohl beim Menschen als auch bei anderen Organismen beobachtet werden. Ursache dieser Erkrankungen sind spontane Punktmutationen. Einige der typischen alterassoziierten Erbkrankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall sind bei Kindern mit Progerie besonders häufig und die Haupttodesursache.

Dagegen ist das Risiko, an Krebs oder Morbus Alzheimer zu erkranken, nicht erhöht. Progerie ist deshalb keine Erkrankung, die einem beschleunigten Altern unmittelbar entspricht. Aufgrund dieser Unterschiede zwischen Progerie und normalem Altern gibt es eine kontroverse Diskussion, ob Progerie wirklich eine Form des beschleunigten Alterns ist. Auf molekularbiologischer Ebene wurden inzwischen genügend Daten erhalten, die die Hypothese des beschleunigten Alterns zumindest für das Hutchinson-Gilford-Syndrom bestätigen.

So wurden beispielsweise Parallelen bei der Instabilität des Genoms und des Telomer -Abbaus gefunden. Eine besondere Form der Progerie stellt die Dyskeratosis congenita dar.

Bei dieser sehr seltenen Erbkrankheit ist das Enzym Telomerase infolge einer Mutation direkt oder indirekt in seiner Funktion betroffen. Durch die eingeschränkte Aktivität der Telomerase werden die Telomere an den Enden der Chromosomen der betroffenen Patienten schneller abgebaut. Die Patienten altern unter anderem schneller als normal, haben fragile Knochen, unterentwickelte Hoden und zeigen eine Prädisposition für Krebserkrankungen.

Diese Tiere weisen bedingt durch eine spontane Genmutation ein Defizit an Wachstumshormonen auf. Sirtuin-1 wiederum hemmt mTOR mammalian Target of Rapamycin und kann durch bestimmte Substanzen, wie beispielsweise Resveratrol , aktiviert werden.

In den beiden für die Biogerontologie wichtigen Modellorganismen Caenorhabditis elegans Fadenwurm und Drosophila melanogaster Taufliege konnten mehrere Gene identifiziert werden, die — wenn sie deaktiviert sind — die maximale Lebenserwartung dieser Tiere deutlich erhöhen können. Solche Gene werden als Gerontogene bezeichnet. Zur Klärung der Frage, warum alle höheren Organismen altern, gibt es bis zum heutigen Tag keine allgemein wissenschaftlich akzeptierte Antwort.

Williams formulierte dies mit den Worten:. Als Folge davon gab es bereits etwa verschiedene Theorien zum Altern, [25] [] aber keine davon ist in der Lage, das Altern alleine zu erklären. Die Geschwindigkeit des Alterns bestimmt die maximale Lebenserwartung eines Individuums. Dabei gibt es innerhalb einer Spezies leichte und zwischen einzelnen Spezies erhebliche Unterschiede.

Der Aufbau der Körperzellen, den elementaren Bausteinen beider Spezies, ist weitgehend gleich. Auch bei den aus den Zellen aufgebauten Organen und Geweben bestehen funktionell gesehen kaum Unterschiede. Die entscheidenden Unterschiede liegen im Genom, auch wenn dies in seiner Gesamtheit eine sehr hohe Ähnlichkeit aufweist.

Die maximale Lebensspanne wird durch eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Gene bestimmt. Diese Gene werden offensichtlich nicht selektiert und sie beeinflussen den Prozess des Alterns nicht unmittelbar.

Diese Ressourcen sind limitiert und müssen zwischen Selbsterhaltung, Wachstum und Reproduktion aufgeteilt werden. Zudem gibt es noch pleiotrope Gene, die in jungen Jahren vorteilhaft für den Organismus sind, sich aber mit zunehmendem Alter nachteilig auswirken.

Die naturwissenschaftlich fundierten Alternstheorien werden in der Wissenschaftsgemeinde sehr kontrovers diskutiert. Einen allgemeinen Konsens gibt es bisher nicht. Die Meinungen der verschiedenen Lager gehen zum Teil sehr weit auseinander. Diese Meinung wird von der Mehrzahl der Gerontologen nicht geteilt. Auf der anderen Seite der Extreme finden sich Gerontologen, die das Altern auf einfache Schadenstheorien, wie Telomerabbau, oxidative Schäden durch freie Radikale oder mitochondriales Altern, reduzieren.

Zu den populärsten und in der Bevölkerung am weitesten verbreiteten Theorien des Alterns gehören die Schadenstheorien. Nach ihnen ist das Altern ein Vorgang, der durch die Summe von Schäden, die durch zerstörerische Prozesse, wie Oxidation, Abnutzung oder die Akkumulation von schädlichen Nebenprodukten des Stoffwechsels, hervorgerufen wird.

Sie dient auch als Erklärungsmodell für die Entstehung von Krankheiten wie beispielsweise Krebs, Arteriosklerose, Diabetes mellitus und Alzheimer. Antioxidantien , die im Labor als Radikalfänger in der Lage sind, freie Radikale abzufangen, wurden als potenzielle Wirkstoffe gegen das Altern und alternsbedingte Erkrankungen gesehen. Diese Euphorie hat sich inzwischen — zumindest in der Gerontologie — gelegt. Für die Theorie der freien Radikale gibt es eine Reihe von experimentellen Ergebnissen, die sie unterstützen.

So wurden in den Zellen der vergleichsweise langlebigen Nacktmulle hohe Werte oxidativer Schäden festgestellt. Anti-Aging-Produkte, die sich auf den antioxidativen Effekt berufen, haben beim Menschen vermutlich gar keine Wirkung. Antioxidantien verhindern dagegen die Mitohormesis. Die Akkumulation der Fehler führt in letzter Konsequenz zum Zelltod. Für die Fehler-Katastrophen-Theorie gibt es bisher keine experimentellen Beweise; eine Reihe von Versuchsergebnissen spricht gegen die Theorie.

Als beschreibende Theorien bieten die Schadenstheorien zwar einen Erklärungsansatz für die Prozesse beim Altern, aber keine Antwort darauf, warum Organismen altern.

Zudem ist der Vergleich mit der Alterung eines toten Gegenstandes im Ansatz falsch: Organismen stellen dynamische Systeme mit einem ständigen Stoffaustausch dar; []: Beispielsweise finden pro Tag im Genom jeder einzelnen menschlichen Körperzelle mehr als Einzelstrangbrüche, Basenverluste, Desaminierungen und 10 Doppelstrangbrüche statt, die durch entsprechende Mechanismen weitgehend repariert werden.

Die Hypothese wurde von Calvin Harley [] aufgestellt. Vom Zeitpunkt der Geburt aus gerechnet verkürzen sich die Telomere an den Chromosomenenden etwa parallel zum Alter: Je mehr Zellteilungen eine Zelle durchlaufen hat, umso kürzer sind die Telomere. Umwelteinflüsse können die Telomerlänge jedoch ebenfalls verkürzen.

Der Zeitpunkt, zu dem eine Zelle dieses Stadium erreicht, ist zum einen vom Zelltyp und zum anderen von der Spezies abhängig.

Die Verkürzung der Telomere ist in einer Vielzahl von mitotisch aktiven Geweben zu beobachten. Dazu gehören vor allem die Haut fibroblasten , [] die peripheren Blutzellen, [] [] die Epithelien des Magen-Darm-Traktes [] Zellen der Nebenniere [] im Nierenkortex , [] der Leber [] und der Milz. So beispielsweise im Endothel bei Atherosklerose [] und in den Hepatozyten bei chronischen Lebererkrankungen.

Das Proliferationspotenzial Zellteilungsvermögen ist bei langlebigen Organismen höher. Dolly wurde aus einer somatischen Zelle eines fünf Jahre alten Schafes geklont. Bei dem Spender-Schaf waren die Telomere in der entnommenen Zelle durch eine Vielzahl von Teilungen bereits erheblich verkürzt. Dolly verstarb deutlich vor dem Erreichen der mittleren Lebenserwartung eines Schafes und zeigte einen früh einsetzenden und schnellen Prozess des Alterns. Bei Patienten, die am Werner-Syndrom , einer seltenen Erbkrankheit mit beschleunigtem Altern, erkrankt sind, können sich die Zellen im Durchschnitt nur etwa zwanzigmal teilen und werden danach seneszent.

Im Modellorganismus Caenorhabditis elegans hat die Telomerlänge dagegen keinen Einfluss auf das Altern. Die langlebigen daf-2 - und die kurzlebigen daf -Mutanten können kurze oder lange Telomere haben, beides ändert die Lebensspanne der Tiere nicht. Die molekularen Ursachen des Alterns wurden nicht erkannt beziehungsweise verstanden. Nachdem es gelang, Säugetierzellen in vitro zu kultivieren, wurde es möglich, die molekularen Veränderungen zu analysieren und zu verstehen.

Diesen Vorgang nennt man zelluläre oder replikative Seneszenz. Die Zellen funktionieren normal weiter, replizieren sich aber nicht mehr. Die seneszenten Zellen sind dann auch gegen den programmierten Zelltod, die Apoptose , resistent. Bei Tieren mit kurzer Lebensspanne können sich die Zellen weniger oft teilen als bei Tieren mit einer höheren Lebensspanne. Nicht alle Zellen des Körpers werden seneszent.

Wäre dies der Fall, so gäbe es beispielsweise keine Wundheilung. Ein Teil der Zellen wird deshalb nicht seneszent: Aus diesen undifferenzierten Vorläuferzellen können sich differenzierte Zellen bilden. Der Anteil an Stammzellen ist während der embryonalen Phase sehr hoch und nimmt mit zunehmendem Alter kontinuierlich ab. Während des gesamten Lebens sind sie jedoch vorhanden, um beispielsweise Zellen der Haut, der Darmschleimhaut und des Immunsystems zu ersetzen beziehungsweise zu bilden.

Diese Schäden können beispielsweise durch reaktive Sauerstoffspezies freie Radikale entstehen, die zudem auch Lipide Lipidperoxidation und Proteine Proteinoxidation innerhalb der Zellen angreifen können.

Die dabei entstehenden Reaktionsprodukte, wie beispielsweise das Alterspigment Lipofuszin, können oft nur unzureichend abgebaut werden und sammeln sich in der Zelle an.

Defekte in den beiden Tumorsuppressorgenen TP53 und RB1 , die für p53 beziehungsweise pRB kodieren , können das Seneszenzprogramm und den programmierten Zelltod ausschalten und zu Krebs führen.

Folglich sind Zellen, die sowohl das Seneszenzprogramm als auch die Apoptose umgehen können, Krebszellen. Mäuse, bei denen gezielt die Expression von p53 herunterreguliert wird Gen-Knockdown , entwickeln dementsprechend sehr leicht spontane Tumoren.

Allerdings ist dies mit dem Effekt verbunden, dass die Lebenserwartung der Tiere durch frühzeitige Alterserscheinungen, wie beispielsweise Osteoporose und universelle Atrophie der Organe, erheblich verkürzt wird. Sowohl ein Überschuss als auch ein Mangel an p53 sind für den Organismus von Nachteil. Aus Sicht der Evolution ist die langfristige Fortpflanzung des Gesamtorganismus wichtiger als die perfekte Reparatur einer einzelnen Zelle.

Zelluläre Seneszenz und Apoptose sind die Werkzeuge, um bösartige Veränderungen in Zellen zu unterdrücken. Auf der anderen Seite sind beide Vorgänge zwangsläufig mit Altern verbunden.

Altern ist offensichtlich ein antagonistischer pleiotroper Prozess, um Entartungen von Zellen zu unterdrücken. Offensichtlich werden während des Alterns signifikante Mengen an Muskelfaserzellen Myozyten des Herzmuskels und der Skelettmuskulatur durch Apoptoseprozesse abgebaut.

Die Ursache hierfür sind möglicherweise mitochondriale Schäden, beispielsweise durch oxidativen Stress. Während des Alterns verändert sich das Membranpotenzial, der Lipidanteil und die Fluidität der Zellen. Die Anzahl der Mitochondrien in den Zellen nimmt ab. Diese zellulären Veränderungen lassen sich bei allen Säugetieren feststellen. Diese Ausschüttung führt zu einer leichten systemischen und chronischen Entzündung. Dieser Vorgang wird mit einer Reihe von altersassoziierten Erkrankungen in Verbindung gebracht und wird auch selbst als eine Ursache für das Altern gesehen.

Aus evolutionärer Sicht ist das Überleben eines Organismus zumindest bis zum Ende seiner reproduktiven Phase wichtig. Die nachteiligen Auswirkungen des Entzündungsalterns traten somit nur sehr selten in Erscheinung. Eine Selektion gegen dieses die Lebensspanne verkürzende und erst nach der Reproduktionsphase auftretende Entzündungsaltern wäre somit nicht möglich.

Im Gegensatz zu proximaten Theorien , wie beispielsweise den Schadenstheorien, die Erklärungsmodelle darüber liefern, wie ein Organismus altert, versuchen die auf der Theorie der Evolution basierenden Theorien des Alterns die Frage nach dem warum zu beantworten ultimate Theorien.

Die ersten Lebewesen, die auf der Erde entstanden, alterten nicht. Diese Theorien können eine Reihe von Phänomenen, die im Zusammenhang mit dem Altern stehen, erklären.

Auch in verschiedenen Modellorganismen konnten Übereinstimmungen zwischen Theorie und Experiment erhalten werden. Es gibt derzeit noch keine allgemeine evolutionsbiologische Erklärung für das Altern. Ein Merkmal, das die Lebensdauer begrenzt und zudem die Phase der Fruchtbarkeit limitiert, hat negative Auswirkungen auf die Darwin-Fitness.

Selbst Darwin war sich dieses Problems bewusst und nahm an, dass die begrenzte Lebensdauer der höheren Organismen einen Nutzen haben müsse, der den Nachteil des Alterns und des damit verbundenen Sterbens mehr als nur kompensiert. Was dabei der Nutzen ist, konnte Darwin nicht beantworten.

Die ersten evolutionären Theorien des Alterns wurden unmittelbar nach der Evolutionstheorie im Gerade Letzteres würde zu älteren Organismen führen, die weniger fit als die jüngeren wären. Die Älteren würden dann den Jüngeren Ressourcen vorenthalten, die besser in die Jüngeren investiert würden.

Weismann konnte jedoch keinen darwinistischen Mechanismus für seine These finden. Zudem stellte seine Annahme, dass Organismen keine vollständige Heilung zeigen können, einen Zirkelschluss dar.

Aus diesen Gründen gab Weismann einige Jahre später seine Hypothese wieder auf. Seit Beginn des Jahrhunderts erlebt die Theorie eines programmierten Alterns eine Renaissance. Als ein Paradebeispiel dient den Verfechtern des programmed ageing dabei der Pazifische Lachs.

Einige basieren auf der Gruppenselektion und Verwandtenselektion , andere auf der Evolvierbarkeit. Diese anpassungsabhängigen Theorien engl. Mit zunehmendem Alter nimmt die natürliche Selektion ab. In freier Wildbahn erreichen durch eine Vielzahl von Faktoren die wenigsten Individuen überhaupt den Bereich des Alterns. Beispielsweise sterben neun von zehn Hausmäusen vor dem zehnten Lebensmonat, während die gleiche Art in Gefangenschaft ein durchschnittliches Alter von 24 Monaten erreicht.

Das Rotkehlchen Erithacus rubecula hat eine durchschnittliche Mortalitätsrate von 0,6 pro Jahr. Aus Markierungen und Beobachtungen in der freien Wildbahn konnte man errechnen, dass nur eines von Dabei ist noch weitgehend unklar, in welchem Bereich die maximale Lebenserwartung eines Rotkehlchens wirklich liegt. Andere Vögel erreichen mehr als den doppelten Wert, ohne Anzeichen von Seneszenz. Schimpansen Pan troglodytes werden in Gefangenschaft durchschnittlich 23 Männchen und 30 Weibchen Jahre alt.

Generell erreichen bei allen Arten in freier Wildbahn nur sehr wenige Individuen ein Alter, um einen ausreichenden Selektionsdruck gegen das Altern aufzubauen. Der Evolutionstheorie zufolge sollten Arten mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit eines Katastrophentodes, beispielsweise weil sie kaum Fressfeinde haben, länger leben.

Diese Arten hätten genug Zeit zur Entwicklung von Schutzmechanismen zur Aufrechterhaltung der Homöostase, beispielsweise durch den Aufbau antioxidativer Schutzmechanismen in den Zellen oder durch eine bessere Regulation der Expression von Onkogenen.

Gleiches gilt beispielsweise für Fledertiere , Schildkröten und den Menschen. Selbst innerhalb einer Art kann durch den Wegfall von Prädatoren die Evolution in Richtung eines verlangsamten Alterns gelenkt werden. Ein Beispiel hierfür ist das Nordopossum Didelphis virginiana in Virginia. Diese Exemplare altern signifikant langsamer als die Population auf dem Festland. Der Gedanke des Selektionsschattens wurde zuerst von dem britischen Genetiker J. In seinem erschienenen Buch New paths in genetics betrachtete er die Erbkrankheit Chorea Huntington.

Weiter postulierte Haldane, dass die natürliche Selektion in späten Lebensabschnitten, typischerweise nach Abschluss der Reproduktionsphase, nur noch eine schwache Kraft sei. Ihre genetisch bedingten lebensbedrohlichen Erkrankungen, die erst im Alter zum Ausbruch kamen, konnten keinen Beitrag zur Evolution mittels natürlicher Selektion leisten. Durch den geringeren Selektionsdruck auf alte Organismen bei Populationen, in denen die meisten Individuen sterben, bevor sie in den Bereich der maximalen Lebenserwartung gelangen, würden sich auch kaum Reparaturmechanismen durchsetzen.

Allerdings sei dieser Prozess meist auf die individuelle Entwicklung beschränkt und eine Vererbung solcher Mutationen eher selten.

Williams aus den Überlegungen zur Mutations-Akkumulation die Theorie der antagonistischen Pleiotropie. Nach ihr sind antagonistisch pleiotrope Gene für das Altern von Organismen verantwortlich, die sich geschlechtlich fortpflanzen.

Pleiotrop sind Gene, die unter verschiedenen Bedingungen auch verschiedene Erscheinungsbilder verursachen. Antagonistisch entgegengesetzt bedeutet in diesem Zusammenhang, dass einige pleiotrope Gene unter den Bedingungen in einem jungen Organismus für die Fortpflanzung förderliche, aber unter den Bedingungen in demselben, gealterten Organismus schädliche Wirkungen haben — worin diese Theorie den Grund des Alterns sieht.

Da die schädlichen Wirkungen solcher Gene häufiger erst nach der Zeugung von Nachkommen und damit Weitergabe der Gene auftreten, haben sie nur geringe negative Auswirkungen auf den Fortpflanzungserfolg ihrer Träger. Schädliche Mutationen, die erst im Alter ihre Wirkung zeigen, häufen sich nach Williams daher im Genom eines Organismus vermehrt an, wenn diese Mutationen dem Organismus in einem frühen Lebensabschnitt Fortpflanzungs-Vorteile verschaffen.

Hamilton formulierte die Theorie um. Wenn Organismen altern, so sinkt ihr Beitrag zur Fortpflanzung, da ihre Fertilität mit der Zeit abnimmt. Die Selektion führt daher bei älteren Organismen zu höheren Mortalitätsraten. Ohne diese Unterschiede bei der Fruchtbarkeit zwischen jungen und alten Organismen gäbe es von Seiten der Evolution keinen Grund, warum Organismen altern und somit beispielsweise leichter lebensverkürzende Krankheiten bekommen.

Diesen Überlegungen widerspricht jedoch die Beobachtung, dass manche Lebewesen — insbesondere der Mensch — sich auch nach Abschluss ihrer Reproduktionsphase, wenn sie keinen unmittelbaren Beitrag zur Fortpflanzung leisten können, bester Gesundheit erfreuen können. Dieser Sachverhalt lässt sich dadurch erklären, dass viele Lebewesen nicht nur in die Geburt, sondern auch in die Aufzucht ihres Nachwuchses investieren.

Zusätzlich kommen noch Aspekte der Life-history-Theorie hinzu. Prinzipiell verfügt jeder Organismus über Reparaturmechanismen. Einige Arten, wie beispielsweise der mexikanische Schwanzlurch Axolotl Ambystoma mexicanum , sind in der Lage verlorene Körperteile vollständig wiederherzustellen.

Solche Mechanismen sind teilweise vorhanden, aber in ihrer Funktion, insbesondere mit zunehmendem Alter, unzureichend. Auf den ersten Blick müsste ein solcher Organismus von der Evolution bevorzugt sein. Er ist es aber nicht. Es ist eher genau das Gegenteil der Fall. Jedem Organismus stehen nur begrenzte Ressourcen zu Verfügung. Jede Investition in einen dieser konkurrierenden Prozesse bedeutet eine Verknappung der Ressourcen bei einem der beiden anderen Prozesse trade-off genannt, engl.

Jeder Organismus passt seine Lebenszyklusstrategie an die Menge und Verteilung der verfügbaren Ressourcen in seinem Habitat an. Der Körper das Soma hält den Aufwand für die Selbsterhaltung auf einem Niveau, das gerade hoch genug ist, um für die normale Lebenserwartung in freier Wildbahn in einem guten Zustand zu sein — und die beiden anderen Prozesse nicht zu kurz kommen zu lassen —, aber nicht so hoch, dass er ohne sicheren Tod leben kann. Eine Reihe von Beobachtungen an verschiedenen Spezies bestätigen die Evolutionstheorien des Alterns, insbesondere die Theorie der Antagonistischen Pleiotropie und die Disposable-Soma-Theorie; so beispielsweise Experimente mit dem Modellorganismus Drosophila melanogaster in den er Jahren.

Für in freier Wildbahn lebende Spezies gibt es noch relativ wenige Daten, die eine Überprüfung der Theorien ermöglichen. Bis waren bei lediglich fünf in freier Wildbahn lebenden Wirbeltierarten die dem Alternsprozess zugrunde liegenden Mechanismen untersucht worden. Als freilebende Wirbeltiere eignen sich besonders Vögel.

Die Überlebenskurven aller Lebewesen in freier Wildbahn zeigen, dass der Katastrophentod — beispielsweise durch Prädatoren, Krankheiten oder sich dramatisch ändernde Lebensbedingungen — der Normalfall ist. Eine Investition in eine potenzielle Unsterblichkeit wäre unter diesen Bedingungen eine Fehlinvestition. Für das Überleben der Art ist die Investition in eigenes Wachstum — beispielsweise um weniger Prädatoren zu haben — oder in mehr Nachkommen die bessere Anlage von Ressourcen.

In diesem kurzen Zeitraum konnten durch natürliche Selektion keine grundlegenden Änderungen in der Lebenszyklusstrategie stattfinden. Beim Menschen beträgt der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen den Geschlechtern — je nach Land — zwischen sechs und acht Jahren. Dieser Umstand wird in nichtwissenschaftlichen Publikationen selten berücksichtigt, so dass oft allein anhand der Sterberate gefolgert wird, dass Männer schneller dem Alterstod erliegen als Frauen.

Wissenschaftliche Aufbereitungen zum Thema jedoch kommen auf unterschiedliche Ergebnisse: Hier werden die meisten Männchen älter als die Weibchen. Die Ursachen für die Geschlechtsunterschiede beim Altern bei den genannten zoologischen Klassen sind offensichtlich von mehreren Faktoren abhängig. Es wurden verschiedene Erklärungsmodelle für dieses noch weitgehend ungeklärte Phänomen aufgestellt. Einige Theorien zur Erklärung des Phänomens basieren auf asymmetrischen Vererbungsmustern.

Die Weibchen sind dagegen homozygot. Sie sind mit zwei identischen Geschlechtschromosomen X und X ausgestattet. Es gibt bisher keine experimentelle Verifikation oder Falsifikation der Hypothese. Eine andere Hypothese basiert auf einem asymmetrischen Vererbungsmuster der mitochondrialen DNA , die bei den meisten Organismen nur von der Mutter an die Nachkommen vererbt wird. Dieses Genom wird folglich nur bei den Weibchen selektiert und so weiter optimiert.

Es kann daher — so die Hypothese — unter Umständen bei Männchen suboptimale Eigenschaften entfalten, die zu einer erhöhten Mortalität führen. Sie haben unmittelbaren Einfluss auf die Mortalitätsrate und die maximale Lebensspanne, [] was zu dieser Hypothese passt. Allerdings lässt sich nicht erklären, warum bei vielen Vogelarten Männchen länger als Weibchen leben. Bei der sexuellen Selektion werden Männchen durch Weibchen derselben Art erwählt und erhalten dadurch einen Vorteil gegenüber ihren Geschlechtsgenossen bei der Fortpflanzung.

Dies kann auf Kosten anderer Funktionen, wie beispielsweise der Selbsterhaltung des Somas, geschehen. Pleiotrope Gene, die den Männchen für die Reproduktion Vorteile verschaffen, sich aber im fortgeschrittenen Alter eher negativ auswirken, sind ein anderes evolutionäres Erklärungsmodell. Ein weiteres evolutionäres Erklärungsmodell geht dabei davon aus, dass bei polygynen Arten zwischen den Männchen ein erbitterter Wettbewerb um die Weibchen herrscht.

Dies wirkt sich unmittelbar auf Wachstum und Verhalten der Männchen aus, die mehr Ressourcen in Paarungsstrategien investieren, beispielsweise um einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Männchen zu haben oder um Wettbewerber von ihrem Weibchen fernzuhalten.

Der Selektionsdruck sollte daher bei Männchen höher als bei Weibchen sein, [53] [] [] was sich in höheren Mortalitätsraten über die meiste Zeit ihrer Lebensspanne niederschlägt. Bei dem Vergleich zwischen sechs monogamen mit sechs polygynen Arten konnten überzeugende Indizien für diese Hypothese gefunden werden.

Die physischen und psychischen Aspekte des Alterns verlaufen nicht zwingend synchron. Körperliche degenerative Prozesse können mitunter zeitgleich mit einer Zunahme mentaler Agilität stattfinden.

Parallel zu einem möglichen Rückgang der Gedächtnisleistung fluide Intelligenz können davon weitgehend unbeeinflusste klare Reflexionsleistungen kristalline Intelligenz beobachtet werden. Kognitiv-mentale Fähigkeiten zur Verarbeitung von Informationen sind unweigerlich mit dem Erleben und dem Verhalten des Menschen verbunden.

Es wird angenommen, dass die unterschiedlichen kognitiven Fähigkeiten unterschiedlichen Alternsprozessen unterliegen. So haben Untersuchungen gezeigt, dass die kristalline Intelligenz bis ins Alter stabil bleibt oder sich sogar weiterentwickelt, wohingegen bei der fluiden Intelligenz mit zunehmendem Alter ein Abbau zu beobachten ist.

Folgende Veränderungen im mentalen Bereich können auftreten: Die Prozesse sind unterschiedlich fortschreitend und können aktiv verlangsamt werden.

Eine neue Studie weist darauf hin, dass nicht nur die Fitness, sondern auch die kognitive Leistungsfähigkeit im Zusammenhang mit der Lungengesundheit steht. Über 19 Jahre wurden Testpersonen beobachtet. Es wurden Lungenfunktionstests sowie kognitive Tests durchgeführt. Die Ergebnisse wurden miteinander verglichen. Während eine schlechtere Lungenfunktion keinen Einfluss auf die Erinnerung zu haben scheint, beeinflusst sie sehr wohl die Fähigkeiten der Problemlösung und der Verarbeitungsgeschwindigkeit.

Einen expliziten Grund für diesen Zusammenhang konnten die Forscher noch nicht finden. Entwicklungspsychologisch stellt Altern die Wechselwirkung dar zwischen Regression auf der einen Seite und der Entwicklung und Stabilisierung von Persönlichkeits- und Leistungsmerkmalen auf der anderen Seite.

Die Rolle des alten Menschen in der Gesellschaft ist stark im Wandel durch die Zunahme des durchschnittlichen Lebensalters und den rückläufigen Geburtenraten der meisten westlichen Industriestaaten. Infolge dieser Verschiebung der Proportionen verändert sich das Verhältnis der Generationen zueinander und ihr jeweiliges Rollenverständnis. Insgesamt ist die Präsenz älterer Menschen und deren Selbstbewusstsein in der Gesellschaft gestiegen.

Das zeigt sich etwa in vermehrten Freizeitangeboten für Senioren wie in der öffentlichen Thematisierung des langzeitigen Tabuthemas Sexualität im Alter. Mit zunehmender Lebensdauer nimmt auch die Anzahl einschneidender Lebensereignisse zu.

Zu den kritischsten gehört der Tod des Lebenspartners. Parallel verändern sich die Lebensperspektiven im Alter hinsichtlich Lebensdauer, Gesundheit, sozialer Einbindung, Mobilität etc. Diese Umstände stellen erhöhte Ansprüche an die Fähigkeit, solche Ereignisse zu verarbeiten.

Die häufigste psychische Erkrankung des Alters ist die Depression. Der Erhalt von sinnstiftenden Tätigkeiten und die Pflege sozialer Kontakte spielen eine zentrale Rolle, die Krisen zu überwinden. Mit zunehmendem Alter haben viele Menschen ein Bedürfnis, über ihr Leben nachzudenken, es so wertzuschätzen, wie es verlaufen ist, und es als sinnvoll zu verstehen.

Ein Lebensrückblick, der mit dem eigenen Leben versöhnt, kann u. Die oft mit den Worten Jeder möchte alt werden, doch keiner möchte alt sein [ 3] [] beschriebene Situation des Alterns speziell beim Menschen ist die Basis für einen ganzen Wirtschaftszweig: Viele der Ratschläge fokussieren sich auf eine möglichst gesunde und zufriedene Lebensweise. Viele Ergebnisse aus Tierversuchen sind kaum auf den Menschen übertragbar. Menschliche Alternsprozesse, die über viele Jahrzehnte ablaufen, lassen sich nur unzureichend mit Organismen abbilden, die erheblich kürzere Lebenserwartungen haben.

Nebenwirkungen eines Anti-Aging-Mittels, das gesunde Menschen über viele Jahrzehnte einnehmen müssten, würden nicht toleriert werden und einer Zulassung entgegenstehen. Eine Verlängerung der Lebensspanne erscheint vielen Menschen nur dann als sinnvoll, wenn auch die Lebensqualität für den gewonnenen Zeitraum entsprechend hoch ist. In diesem Zusammenhang ist etwa von gesundem oder erfolgreichem Altern die Rede. In einer Vielzahl von Modellorganismen konnte nachgewiesen werden, dass das primäre Altern durch eine erhebliche Reduzierung der Nahrungsaufnahme Kalorienrestriktion verzögert werden kann.

Die Kalorienrestriktion erhöht die mittlere und die maximale Lebenserwartung. Altersassoziierte Krankheiten werden abgeschwächt beziehungsweise verzögert. Mehrere Studien mit Rhesusaffen brachten insgesamt widersprüchliche Ergebnisse. Die genauen Ursachen für die lebensverlängernde Wirkung der Kalorienrestriktion sind noch nicht endgültig geklärt.

Fest steht, dass weder die katabolische Rate pro Kilogramm Körpermasse, [] [] noch die Menge an freien Radikalen [] [] reduziert wird. Beides Indizien dafür, dass die Mechanismen aus den Schadenstheorien in diesem Fall keine Rolle spielen. Um diesen Zeitraum des Nahrungsmangels zu überbrücken, darf sich der Organismus nur wenig verändern altern , um sich später noch fortpflanzen zu können.

Der durch das Hungern ausgelöste Stress führt über das Eigennutzprinzip der Zellen zu einer aktiven Anpassung. Die Stressantwort der Zellen kann über eine veränderte Genexpression nachgewiesen werden. Auch beim intermittierenden Fasten , bei dem die Gesamtnährstoffaufnahme über die Zeit nicht reduziert sein muss und das Körpergewicht gehalten wird, lässt sich bei einer Reihe von Modellorganismen eine höhere Lebenserwartung und eine geringere Rate an altersbedingten Erkrankungen beobachten.

Dies hat zur Folge, dass neue Wirkstoffe, die potenziell gegen das Altern wirksam wären, derzeit nur dann eine Chance zur Zulassung haben, wenn sie eine Wirksamkeit Therapie beziehungsweise eine vorbeugende Wirkung Prävention gegen Krankheiten zeigen. Für keine Substanz wurde — unabhängig vom Zulassungsstatus — bisher der wissenschaftliche Nachweis erbracht, dass sie beim Menschen das Altern verzögern oder gar stoppen kann.

Unabhängig davon hat sich ein grauer Markt mit unseriösen Heilsversprechungen [] für eine Reihe von potenziellen, aber auch nachgewiesen unwirksamen oder gar nachteiligen Substanzen entwickelt.

Dabei ist in vielen Fällen die Beziehung von Ursache-Wirkung unklar: Ist die nachlassende Hormonausschüttung eine Folge des Alterns und daher möglicherweise ein sinnvoller physiologischer Vorgang oder bewirken die sinkenden Hormonspiegel das Altern? Siehe dazu auch Hormonersatztherapie. Im Tiermodell wurde mit dem Immunsuppressivum Sirolimus Rapamycin in einer Studie erstmals ein Wirkstoff gefunden, bei dem nachweislich die Lebenserwartung einer Säugetierart Farbmaus verlängert werden konnte.

Rapamycin hat zudem erhebliche Nebenwirkungen , die insbesondere das Immunsystem betreffen. Eine veröffentlichten Studie von Michael Ristow legt einen Zusammenhang zwischen einer erhöhten Aufnahme des Spurenelements Lithium und einer niedrigeren Sterblichkeit nahe.

In einer Untersuchung in Japan wurde in Gegenden mit vergleichsweise hohem Vorkommen des Elements im Trinkwasser gegenüber der allgemeinen Lebenserwartung eine deutlich höhere festgestellt.

Im Laborexperiment wurde beim Fadenwurm Caenorhabditis elegans nach der Behandlung mit einer äquivalenten Dosierung des Spurenelements ebenfalls eine Erhöhung der durchschnittlichen Lebenserwartung nachgewiesen. Dies liefert erste Anhaltspunkte für einen möglichen Zusammenhang auch beim Menschen, allerdings noch keine Schlussfolgerung. Die Molekularbiologie hat mit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms zu Beginn des Jahrhunderts erhebliche Fortschritte gemacht.

Dabei wurden auch Gene identifiziert, die unmittelbar an den Vorgängen des Alterns beteiligt sind. Es ist derzeit nicht abzusehen, wann und wie sich das Altern zukünftig durch molekularbiologische Interventionen beeinflussen lässt. Langer ein Experiment, bei dem Männer zwischen Ende 70 und Anfang 80 Jahren sich eine Woche lang in eine simulierte Umgebung von begaben.

Das Ergebnis war insofern erstaunlich, als sich sowohl mentale als sogar auch körperlich manifestiert erscheinende Fähigkeiten wie etwa Sehkraft und Beweglichkeit der Gelenke sich verbessert hatten; und zwar besonders deutlich bei der Gruppe, die sich aktiv mit ihrem Leben während dieser Zeit auseinandergesetzt hatte. Diese und weitere Ergebnisse dazu sind u. Gegenstand eines erschienenen Fachartikels des Magazins Perspectives on Psychological Science [] und wurden in mehreren populärwissenschaftlichen Abhandlungen aufgegriffen.

Die Epidemiologin und Sozialmedizinerin Becca R. Das Interesse am Altern und der Kampf gegen seine negativen Auswirkungen dürfte fast so alt wie die Menschheit selbst sein. Als Nächstes ist erst wieder Lucilius zu nennen und dann Juvenal. Der Erhalt der Jugend, Lebensverlängerung oder gar Ewiges Leben sind uralte Menschheitsträume, die sich in einer Vielzahl mythischer oder religiöser Überlieferungen wiederfinden.

Dieses Thema wurde später von Jonathan Swift in Gullivers Reisen mit den unsterblichen Struldbrugs aufgegriffen und variiert. Dies ist ein früher religiöser Erklärungsansatz für die Sterblichkeit des Menschen.

Die Genesis liefert auch einen Hinweis auf die maximale Lebensspanne des Menschen:. Galenos begründete die Gerokomie medizinische Behandlung der Alten und sorgte so für Alten- und Pflegeheime im römischen Konstantinopel. Für Aristoteles war Altern eine natürliche Krankheit und für Seneca gar eine unheilbare. Terenz meinte Senectus ipsa morbus est , [] dt. Paracelsus sah im Jahrhundert im Altern eine Selbstvergiftung.

Bis in die Renaissance versuchte man mit Sunamitismus die männliche Altersschwäche zu therapieren. Diese Form der Therapie geht auf das Alte Testament [] zurück. Gegen Ende des Sein erschienenes Buch Makrobiotik oder Die Kunst das menschliche Leben zu verlängern [] wurde ein Welterfolg.

Bis in das Die dünnen Scheiben sollten dabei die Vereinigung des Xenografts mit dem Gewebe des Patienten fördern. Weltweit ging die Zahl dieser Eingriffe in die Tausende. Die erhoffte Wirkung stellte sich aber nicht ein. Testosteron verlängerte nicht die Lebenserwartung der Versuchstiere. Durch die pleiotrope Wirkung des Testosterons ist eher das Gegenteil der Fall.

Für die Wirksamkeit der Frischzellentherapie liegt bis heute kein wissenschaftlicher Nachweis vor. Dieser Artikel behandelt primär biologisch-medizinische Aspekte, zum Altwerden im soziologisch-sozialen Sinne siehe Alter ; den linken Zulauf der Isar in Bayern siehe Altern Isar ; zu anderen Bedeutungen siehe Alterung.

Williams, [17] [] [ 1]. Theorie der freien Radikale. Lebensalter und Recht MPG. Die Entwicklung der Lebenstreppe. The ultimate preventative medicine. Band , Nummer , Dezember , S. Genetische Determinierung und lebensverlängernde Strategien. Molekularmedizinische Grundlagen von altersspezifischen Erkrankungen.

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Jung war davon überzeugt, dass Freuds Libidotheorie auf diesen Fall nicht anwendbar sei, und erklärte die Theorie für gescheitert. Jung-Schüler Erich Neumann nahm für die analytische Psychologie am freudschen Begriff des primären Narzissmus erhebliche Korrekturen vor. Diesen anfänglichen Zustand nannte Neumann die uroborische Phase. Diese sei nicht — wie die freudsche Lehre unterstellt — beziehungs-, weil objektlos, sondern als Urbeziehung des Kindes zur Mutter Grundlage der weiteren Entwicklung.

Das lustbetonte Einheitserleben, das zu ihr gehört, hat deswegen nichts mit Macht zu tun und muss anders gedeutet werden. Man wird der psychischen Wirklichkeit dieser Phase aber nur dann gerecht, wenn man sie paradox formuliert, weil sie als vor- ichhafte Konstellation nicht durch eine Subjekt-Objekt-Beziehung beschreibbar ist.

Wenn man also von objektloser Selbstliebe spricht, muss man gleichzeitig von subjektloser All-Liebe ebenso wie von einem Subjekt- und objektlosen All-Geliebtwerden sprechen. Ferenczi verstand den primären Narzissmus nicht als Stadium, das überwunden werden muss, um zum Objekt zu gelangen. Psychologiehistorisch ist dies der bedeutsamste Punkt, weil Ferenczi den Narzissmus hier zu einer Störung umdeutete, für die schädliche Umweltbedingungen verantwortlich seien.

Die Frustration dieser Liebe führt nach Balint entweder zu sekundärem Narzissmus oder zu aktiver Objektliebe, die das Kind erlernt, um wiederum selbst geliebt zu werden. Balint schrieb jedoch hauptsächlich über die Ohnmacht und Abhängigkeit des Kindes von der Mutter.

Ihre gesamte Objektbeziehungstheorie basierte auf der Annahme, dass im Zentrum des emotionalen Lebens nicht ein uranfängliches All-Eins, sondern Objektbeziehungen stehen. Doch selbst hier wich Klein von Freud ab, indem sie betonte, dass dieser Narzissmus von Anfang an mit Neid und Aggression verbunden sei.

Erikson und Edith Jacobsohn. Das Verdienst der Ich-Psychologie bestand in der systematischen Beschreibung der Funktionen, die das Ich darüber hinaus hat, nämlich z. Denken, Wahrnehmen und Handeln. Hartmann definierte das Selbst als eine Subinstanz des Ich, nämlich als die Gesamtheit der Selbstrepräsentanzen — d.

Der Narzissmus wird hier nicht mehr als Entwicklungsstufe auf dem Weg zum Objekt begriffen, sondern erhält eine autonome Bedeutung, die Gegenstand der Kohutschen Selbstpsychologie ist. In Analogie zur klassischen Psychoanalyse des Triebsubjekts entwirft Kohut ein Behandlungskonzept für Störungen und Pathologien in der Entwicklung des Selbst, das narzisstische Bedürfnisse nach Spiegelung, Anerkennung und Wertschätzung nicht mehr apriori als infantile Abwehr von Triebautonomie diskreditiert.

Kinder haben, so schreibt Kohut, vor allem drei Bedürfnisse: Pathologischer Narzissmus entsteht nach Kohut dann, wenn die Responsivität der Eltern entweder chronisch unzureichend oder die Frustration traumatisch ist. Als ein typisches Symptom benannte er das beständige Hungern nach Bewunderung und Wertschätzung. Durch die sehr genaue Darstellung einer mehrjährigen Psychoanalyse, die durch Mitschriften innerhalb der analytischen Sitzungen möglich wurde, wird das Ineinandergreifen von analen Triebkonflikten einerseits und einer früheren narzisstischen Charakterstruktur andererseits entlang der entstehenden Übertragungsszenen verdeutlicht und die veränderte Sichtweise der Selbstpsychologie exemplifiziert.

Kernberg in den er Jahren. Den normalen erwachsenen Narzissmus, die Fixierung bzw. Kernberg vertrat die klassische triebtheoretische Position, die den Narzissmus bei Erwachsenen als abweichende Form der normalen Entwicklung zur reifen Objektliebe auffasste. Kohut , sondern das Erreichen der vollgültigen, genitalen Sexualität. Im Gegensatz zu Kohut betrachtete er die durch die Auflösung klassisch-familiarer Sozialisation bedingte Narzissisierung der Kultur als regressives Symptom.

Er war überzeugt, dass der Narzissmus eine pathologische Fehlentwicklung darstellt, die sich vom infantilen Narzissmus qualitativ unterscheide. Um der zerstörerischen Verachtung auszuweichen, die sie als Kind erlitten haben, werden die Betroffenen im Erwachsenenalter selbst zu Ausbeutern. Kernberg betont die Bedeutung des Neides als unbewusster Motivation und die Abspaltung der Sexualität von Zärtlichkeits- und Liebesgefühlen als Kennzeichen des Narzissmus.

Der Narzisst brauche ein Publikum, von dem er beneidet und bewundert werden wolle und das er gleichzeitig verachte. Der ideale Partner für eine solche Persönlichkeit sei der Masochist. Ein Leidensdruck entstehe für Narzissten typischerweise erst in der zweiten Lebenshälfte: Während Freud noch davon ausgegangen war, dass narzisstisch gestörte Menschen — Freud dachte dabei freilich an Psychotiker — nicht geheilt werden könnten, haben Kohut und Kernberg das Verhältnis von Patient und Therapeut systematisch beschrieben und Therapieansätze entwickelt, die sich — ihren ungleichen Auffassungen über den Narzissmus entsprechend — allerdings deutlich unterschieden.

Grundsätzlich ist ein psychogenetischer Narzissmus-Begriff Narzissmus als notwendige Entwicklungsstufe und normales allgegenwärtiges Phänomen von dem geläufigeren, diagnostisch verwendeten, negativ im Sinne einer Fehlentwicklung konnotierten Begriff zu unterscheiden. Im letzteren charakterpathologischen Sinne verstand Freud unter Narzissmus die Libido , die auf das eigene Ich gerichtet ist, anstatt auf ein Objekt.

In dieser Tradition des Begriffsverständnisses bezeichnet Narzissmus die im Zeichen einer Ethik der Reife [44] zu überwindende Entwicklungsphase, die durch genitale, ödipalisierte Objektsexualität abzulösen ist. In der weiteren Entwicklung des Begriffes kam es jedoch zu einer weiteren Differenzierung der Bedeutung. Narzissmus wurde etwa von Heinz Kohut als wichtiges Element der Persönlichkeit angesehen, nicht nur als Phase, die jeder Mensch durchläuft, sondern auch als wichtige Funktion im Erwachsenenalter, um das Selbst als psychische Struktur zu stabilisieren.

In der Tradition Kohuts, der einen gesunden, autonomen Narzissmus befürwortet, steht unausdrücklich auch Alice Miller. Sie sieht den Begriff als positive Eigenschaft, wie sie unter anderem in Das Drama des begabten Kindes erläutert. Narzisstisch zu sein ist für sie etwas Normales, Gesundes und bezeichnet jemanden, der seine Interessen verfolgen kann. Gelingender Narzissmus entgeht, so vermuteten Jean Laplanche und Jean-Bertrand Pontalis , in einem bestimmten Reifungsschritt den Aporien reiner Spiegelbildlichkeit vergleiche auch Spiegelstadium durch Übertragung der narzisstischen Libido auf einen realen Anderen als geliebtes Vorbild.

In diesem Sinn leistet der Narzissmus nicht nur einen notwendigen Beitrag zur Ich -Bildung Freud überhaupt, sondern zur innerseelischen Strukturbildung des Selbst , indem es dieses als Instanz etabliert. Sein Selbst basiert einzig darauf, sich die eigene Grandiosität zu spiegeln.

In der psychoanalytischen Theorie wird nicht nur die Narzisstische Persönlichkeitsstörung aus einer narzisstischen Störung abgeleitet. Das in der sozialpsychologischen und persönlichkeitspsychologischen Forschung am weitesten verbreitete Instrument zur Bestimmung des Konstrukts Narzissmus ist das Narcissistic Personality Inventory , seit entwickelt von Raskin und Hall. Es bezieht sich auf die Persönlichkeitseigenschaft Narzissmus in der allgemeinen Bevölkerung, nicht auf klinische Ausprägungen mit Krankheitswert wie beispielsweise die Narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Ein Forscherteam der University of Illinois kam in einer empirischen Studie zu dem Schluss, dass Narzissmus nicht nur eine Frage der Generation, sondern vor allem des Alters sei. Danach tendieren Menschen in ihrer späten zweiten und dritten Lebensdekade besonders stark zum Narzissmus. Dies sei aber, so die Forscher, zu allen Zeiten und in allen Generationen so.

Eine populäre Annahme ist, dass sich hinter der positiven bewussten Meinung von Narzissten über sich selbst in Wirklichkeit unbewusst ein geringes Selbstwertgefühl verbirgt. Vielmehr haben Narzissten eine positive Meinung über sich in Bereichen der persönlichen Befähigung wie Status und Intelligenz und eine "nur" neutrale Sicht in Bereichen der Gemeinschaftlichkeit wie Freundlichkeit und Moral.

Nach einer Studie sind Prominente in der Unterhaltungsbranche narzisstischer als andere Menschen und haben deswegen bessere Karrierechancen in den Medien. Der Psychiater und Neurowissenschaftler Raphael M. Bonelli kritisiert die theorielastige Narzissmusdiskussion des Jahrhunderts und plädiert für ein naturwissenschaftliches Narzissmusverständnis unter Berücksichtigung empirischer Forschungsergebnisse.

Narzissmus ist aus dieser Sicht gekennzeichnet durch den Dreischritt [51] [52]. Jeder hat narzisstische Anteile, die es zu erkennen gilt. Bonelli arbeitet heraus, dass diese Anteile kein Schicksal, sondern veränderbar sind. Narzissmus ist bis zur Diagnose der narzisstischen Persönlichkeitsstörung ein Kontinuum, aber jeder Narzissmus ist schädlich.

Es gibt damit keinen guten oder gesunden Narzissmus wie etwa Alice Miller postuliert hat. Denn Narzissmus ist immer die Tendenz, sich zu idealisieren, indem man seine Schwächen verdrängt und seine Stärken übertreibt und damit andere abwertet. Bonelli grenzt den Narzissmus scharf vom Perfektionismus ab: Während der Perfektionist selbstunsicher und ängstlich um sich kreist und in die Maske des Perfekten schlüpft um zu gefallen, sieht sich der Narzisst aufgrund der Selbstidealisierung und Fremdabwertung den anderen grenzenlos überlegen.

Er hat im Gegensatz zum Perfektionisten kein brüchiges, sondern ein überzogenes Selbstwertgefühl: Unter Bezugnahme auf oben genannter Studien zum Selbstwert bei Narzissten, [48] sieht Bonelli die Theorie des angeblich geringen Selbstwertgefühls und der mangelnden Selbstliebe als widerlegt Fromm. Auch sei der Narzisst entgegen vielen Behauptungen gar nicht zur Empathie unfähig im Gegensatz zum Autisten als vielmehr unwillig.